OpenBSD auf Laptops

OpenBSD ist ein hervorragendes Server- und Firewallsystem, man kann es aber auch auf dem Desktop einsetzen. Seit OpenBSD 4.1 ist nun auch ein vorkompiliertes OpenOffice.org Package verfügbar, so das man, wenn man nur Standardsoftware verwendet (OpenOffice, Firefox, Gimp, KDE, etc.), in der Verfügbarkeit von Software wohl inzwischen das kleinere Problem haben wird. Das größere Problem, vor allem bei Laptops dürfte die Hardwareunterstützung von OpenBSD sein, die etwas schlechter als die von Linux ist. Unter anderem unterstützt OpenBSD bislang noch keine Firewire-Schnittstellen und zum Beispiel ACPI wird nur sehr rudimentär unterstützt.

Auf dieser Seite will ich daher meine Erfahrung mit OpenBSD auf meinem Notebook, vor allem in Bezug auf Hardware schildern. Es gibt auf der OpenBSD-Website auch eine spezielle Seite die sich mit OpenBSD auf Laptops befasst und eine Reihe von Laptopmodellen auflistet. Wer einen Überblick sucht über das was von OpenBSD unterstützt wird, sollte sich primär diese Seite ansehen. Hier auf meiner Website werde ich etwas detailierter meine Erfahrungen mit meinem IBM Thinkpad T23 und einem IBM Thinkpad X31 schildern.

Modellauswahl

Generell kann man sagen, das sehr neue Hardware meist nicht so gut unterstützt wird, wie etwas ältere Hardware. Eine Laptop-Modellreihe die auch von vielen OpenBSD Entwicklern genutzt wird und allgemein recht gut unterstützt wird sind die Lenovo (früher IBM) Thinkpads. Die Qualität der Thinkpads ist recht hoch und sie sind dafür bekannt, z. B. auch mit Linux sehr gut zu laufen. Leider sind diese Geräte neu recht teuer. Eine gute Alternative für etwas Finanzschwächere Leute wie mich, sind daher gebrauchte Thinkpads z. B. von ebay.

Auf ebay gibt es zahlreiche Händler die Thinkpads z. B. aus Leasingrückläufern, preiswert, inklusive einjähriger Garantie, verkaufen. Manche dieser Geräte haben wirklich nur leichte Gebrauchsspuren und sind ansonsten noch relativ neuwertig, aber man sollte die Beschreibungen bei ebay immer sehr genau lesen. Ein Schwachpunkt kann oft der gebrauchte Akku sein, dessen tatsächliche Laufzeit man vor dem Kauf meist nicht erfragen kann. Ein weiterer Punkt sind oft die ausländischen Tastaturlayouts bei vielen auf ebay verkauften Thinkpads. Manche Händler überkleben die Tasten mit Aufklebern für das deutsche Tastenlayout, was mich persönlich nicht stört. Manch ein Programmier freut sich eventuell sogar über ein englisches Tastenlayout.

Thinkpad T23

Folgende Angaben beziehen sich auf OpenBSD 4.3 Stable.

Die Hardware meines bei ebay gekauften Thinkpads T23 zeigt folgendes dmesg.

PCMCIA wird korrekt erkannt

Soundkarte funktioniert, ist aber per default stummgeschaltet. Folgende Angaben in der Datei /etc/mixerctl.conf stellen bei jedem Sytemstart den Sound an:

outputs.master.mute=off
outputs.mono.mute=off
outputs.headphones.mute=off
inputs.dac.mute=off
inputs.cd.mute=off

Die Lautstärketasten oben am Thinkpad, funktionieren nachdem man das Programm tpb aus den Ports oder Packages installiert hat. Dieses Programm muß dazu mit der eigenen X11-Sitzung gestartet werden. Dazu eignet sich z. B. ein Eintrag in die ~/.xsession Datei oder wenn man KDE verwendet, eventuell ein Script in ~/.kde/Autostart. Beim drücken der Tasten erscheint ein Onscreen-Display, welches die momentane Lautstärke als Balken anzeigt. Das Onscreen-Display erscheint z. B. auch beim ein- und ausschalten der Thinklight Tastaturbeleuchtung.

Die Thinklight Tastaturbeleuchtung funktioniert.

APM funktioniert größtenteils. Mit dem Befehl apm kann man sich Informationen wie den Ladezustand des Akkus ansehen. apm -S schaltet den Laptop in einen Standby Zustand, bei dem Display und Festplatte ausgeschaltet sind. zzz schltet das Notebook in den Suspend (Tiefschlafmodus). Nach dem Aufwecken aus dem Suspend funktioniert jedoch die Soundkarte nicht mehr richtig (kein Ton). Poweroff mit halt -p funktioniert. Was leider nicht funktioniert ist das einstellen der Prozessortaktrate. Der Pentium III M Prozessor in diesem System bietet 2 feste Taktraten an: 1200 MHz im Normalzustand und 800 MHz als Energiesparmodus. Das umschalten dazwischen ist mit dem apm-Kommando nicht möglich. Wird das Notebook gebootet während das Netzteil dranhängt, dann schaltet das Gerät auf 1200 MHz und schaltet auch beim ziehen des Netzsteckers nicht um. Wird das Gerät mit Akkustrom gebootet, schaltet der Prozessor unverrückbar auf 800 MHz. Der Akku meines Gerätes hält übrigens für ca. eine gute Stunde.

Der serielle Anschluss des Laptops funktioniert nachdem man ihn im Bios eingeschaltet hat. Per Default ist er ausgeschaltet. Damit eignet sich der Laptop auch gut zum warten eines OpenBSD-Servers über eine serielle Konsole.

Infrarot habe ich nicht getestet, aber angeblich soll die Infrarotschnittstelle als serielles Gerät erkannt werden.

Der CD-RW Brenner funktioniert problemlos und arbeitet sowohl für CD-Rs, als auch für CD-RWs mit 8x Schreibgeschwindigkeit. Man kann zum schreiben sowohl cdio aus dem Basissystem verwenden, als auch das funktionsreichere cdrecord aus den Ports oder Packages. Das Thinkpad T23 existiert sowohl in Varianten nur mit DVD-Laufwerk, als auch mit DVD/CD-RW Kombilaufwerk.

Die Grafikkarte ist eine S3 Super Savage und arbeitet mit dem Savage Treiber von x.org. Ich benutze folgende xorg.conf-Datei. Die Umschaltung für den externen VGA-Anschluß mit der Fn-F7 Tastenkombination funktioniert problemlos unter X, so das man das Gerät z. B. auch für Präsentationen nutzen kann.

Das Modem funktioniert nicht. Dies gilt jedoch grundsätzlich für sogenannte Winmodems unter OpenBSD.

Die Netzwerkkarte wird als fxp0 erkannt und ist auch PXE-Bootfähig. Die Installation kann daher auch per PXEboot erfolgen.

Fotos Thinkpad T23

Thinkpad T23, aufgeklappt
Thinkpad T23 von hinten

Thinkpad X31

Folgende Angaben beziehen sich auf OpenBSD 4.2 stable.

Mein Thinkpad X31 Subnotebook stammt ebenfalls von ebay und zeigt folgendes dmesg.

Das Thinkpad X31 ist im Gegensatz zum T23 ein Subnotebook und daher kleiner und leichter. Das optische Laufwerk ist in eine Dockingstation ausgelagert worden. Ohne Dockingstation wiegt das X31 nur 1,6 kg. Das Notebook hat aufgrund seiner Größe nur ein 12 Zoll Display, welches jedoch ebenfalls eine Auflösung von 1024 x 768 hat.

Außer dem optischen Laufwerk hat die Dockingstation gegenüber dem Mobilteil noch eine serielle Schnittstelle und einen PS/2 Anschluß. Ansonsten sind die Schnittstellen an Mobilteil und Dockingstation identisch.

PCMCIA wird korrekt erkannt.

Der CF-Card Adapter wird ebenfalls erkannt, als wd1. Allerdings kann man von einer eingesteckten CF-Karte als Festplattenersatz nicht booten.

Die Soundkarte funktioniert einfach (wird als auich erkannt). Im Gegensatz zum T23 muß auch keine mixerctl.conf erstellt werden.

Die Lautstärketasten oben am Thinkpad, funktionieren nachdem man das Programm tpb aus den Ports oder Packages installiert hat. Dieses Programm muß dazu mit der eigenen X11-Sitzung gestartet werden. Dazu eignet sich z. B. ein Eintrag in die ~/.xsession Datei oder wenn man KDE verwendet, eventuell ein Script in ~/.kde/Autostart. Beim drücken der Tasten erscheint ein Onscreen-Display, welches die momentane Lautstärke als Balken anzeigt. Das Onscreen-Display erscheint z. B. auch beim ein- und ausschalten der Thinklight Tastaturbeleuchtung.

Die Thinklight Tastaturbeleuchtung funktioniert.

apm funktioniert sehr gut. halt -p funktioniert und auch das Speedstep des Prozessors läßt sich benutzen. Der verbaute Intel Pentium M Prozessor verfügt über insgesamt 5 einstellbare Taktraten: 600, 800, 1000, 1200 und 1400 MHz. Wenn man den apm-Daemon startet kann man mit dem Befehl apm -L das Notebook in den 600 MHz Modus versetzen. Mit apm -H läuft das Notebook mit 1400 MHz und mit apm -C paßt OpenBSD die Taktrate je nach Auslastung des Prozessors an (bei niedriger Auslastung läuft der Prozessor dann mit 600 MHz). Suspend to Disk habe ich nicht getestet (soll aber funktionieren).

Der serielle Anschluß an der Dockingstation funktioniert, nachdem man ihn im Bios eingeschaltet hat. Per Default ist er ausgeschaltet.

Infrarot habe ich nicht getestet.

Der Firewire-Anschluß funktioniert nicht. OpenBSD hat keine Unterstützung für Firewire-Geräte.

Die Grafikkarte ist eine ATI Radeon Mobility M6, für die ich den radeon Treiber und folgende xorg.conf benutze. Der externe Monitor-Anschluß läßt sich über die xorg.conf einschalten (leider nicht per Tastenkombination). In meiner xorg.conf findet sich, in der Subsection Device, dazu ein auskommentierter Eintrag (Option "MonitorLayout" "LVDS, TMDS").

Das Modem funktioniert, wie generell alle Winmodems unter OpenBSD, nicht.

Viele Modelle des X31 sind mit einer Wlan-Karte als Mini-PCI-Karte ausgestattet. Die in diesem Modell verbaute Aironet 350 Karte funktionierte nicht, obwohl es für diesen Kartentyp einen Treiber unter OpenBSD gibt. Eine Alternativ besorgte Intel 2200abg Mini-PCI-Karte funktioniert gut (als iwi0), benötigt jedoch zusätzliche unfreie Firmware (siehe dazu die Manpage). Bevor man eine Alternative Mini-PCI-Karte in ein Thinkpad einbaut sollte man jedoch das tpwireless Package installieren und benutzen. Das Bios der Thinkpads läßt sonst nur eine bestimmte Liste erlaubter Karten zu.

Die Netzwerkkarte wird als fxp0 erkannt und ist auch PXE-Bootfähig. Die Installation kann daher auch per PXEboot erfolgen.

Fotos Thinkpad X31

Thinkpad X31 aufgeklappt
Thinkpad X31 hinten
Thinkpad X31 und Dock

Zubehör (gilt im Prinzip für beide Notebooks)

Folgendes Zubehör habe ich mit zumindest einem dieser Notebooks getestet:

Eine Wlankarte mit Ralink Chipsatz (Conceptronic C54RC) funktioniert problemlos. Der Ralink Chipsatz ist für Wlankarten unter OpenBSD übrigens generell eine gute Wahl.

Eine UMTS-Datenkarte Novatel Wireless Merlin U530 soll laut dieser Website angeblich funktionieren, geht aber bei mir nicht. dmesg zeigt dabei folgende Meldungen:

pcic_wait_ready: ready never happened, status = 5f
pccom3 at pcmcia0 function 0: can't allocate i/o space

Update: Eine alternativ gekaufte Merlin U630 Karte kann sich zwar einwählen überträgt aber anschließend nur Pings oder sehr kleine Datenpakete, während die meisten Dienste (HTTP, SSH etc.) fehlschlagen. Den Grund für dieses Problem konnte ich bislang noch nicht ermitteln.

Mit einer USB 2 PCCard hatte ich in der Vergangenheit schon einige sehr merkwürdige Erfahrungen gemacht, bis hin zum Totalabsturz des Systems. Entsprechend vorsichtig habe ich nun eine solche Karte mit OpenBSD 4.1 getestet. Immerhin lief sie deutlich besser, als unter 3.9. Die Karte wird erkannt und USB 2 Datenträger wie externe Festplatten und USB-Sticks lassen sich mounten. Beim abziehen der Karte friert der Rechner jedoch vollständig ein und nur noch ein Kaltstart kann einen retten. Dieser Fehler ist reproduzierbar auf meinem System. Ich kann daher über eine solche Karte USB 2 Geräte mit voller Geschwindigkeit nur dann verwenden, wenn ich die Karte bis zum nächsten Herunterfahren gesteckt lasse. Die Notebooks selbst besitzen leider nur USB 1 Anschlüße.

Ein Compact Flash Kartenadapter in PCMCIA Form funktioniert problemlos (wird als wd1 erkannt). Ebenso ein USB-SD/MMC Cardreader.

Generell funktionieren alle USB-Speichergeräte, wie etwa USB-Sticks, externe Festplatten oder auch Zip-Laufwerke mit USB-Anschluß, allerdings mit den oben genannten Einschränkungen, also entweder nur USB 1 Geschwindigkeit oder Nutzung einer USB 2 PCMCIA Karte, die dann nicht abgezogen werden darf.


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