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OpenBSD auf Laptops

OpenBSD ist ein hervorragendes Server- und Firewallsystem, man kann es aber auch auf dem Desktop einsetzen. Seit OpenBSD 4.1 ist nun auch ein vorkompiliertes OpenOffice.org Package verfügbar, so das man, wenn man nur Standardsoftware verwendet (OpenOffice, Firefox, Gimp, KDE, etc.), in der Verfügbarkeit von Software wohl inzwischen das kleinere Problem haben wird. Das größere Problem, vor allem bei Laptops dürfte die Hardwareunterstützung von OpenBSD sein, die etwas schlechter als die von Linux ist. Unter anderem unterstützt OpenBSD bislang noch keine Firewire-Schnittstellen und bei der ACPI-Unterstützung kann es manchmal zu Problemen kommen.

Auf dieser Seite will ich daher meine Erfahrung mit OpenBSD auf meinem Notebook, vor allem in Bezug auf Hardware schildern. Es gab mal direkt auf der OpenBSD Website, eine Seite die eine Reihe von Notebook-Modellen auflistete und was auf diesen Geräten mit OpenBSD funktioniert und was Probleme bereitet. Diese Seite existiert leider inzwischen nicht mehr. Hier auf meiner Website werde ich etwas detailierter meine Erfahrungen mit meinem IBM Thinkpad T41, meinem Eee PC 701 und einem IBM Thinkpad X31 schildern.

Modellauswahl

Generell kann man sagen, das sehr neue Hardware meist nicht so gut unterstützt wird, wie etwas ältere Hardware. Eine Laptop-Modellreihe die auch von vielen OpenBSD Entwicklern genutzt wird und allgemein recht gut unterstützt wird sind die Lenovo (früher IBM) Thinkpads. Die Qualität der Thinkpads ist recht hoch und sie sind dafür bekannt, z. B. auch mit Linux sehr gut zu laufen. Leider sind diese Geräte neu recht teuer. Eine gute Alternative für etwas Finanzschwächere Leute wie mich, sind daher gebrauchte Thinkpads z. B. von ebay.

Auf ebay gibt es zahlreiche Händler die Thinkpads z. B. aus Leasingrückläufern, preiswert, inklusive einjähriger Garantie, verkaufen. Manche dieser Geräte haben wirklich nur leichte Gebrauchsspuren und sind ansonsten noch relativ neuwertig, aber man sollte die Beschreibungen bei ebay immer sehr genau lesen. Ein Schwachpunkt kann oft der gebrauchte Akku sein, dessen tatsächliche Laufzeit man vor dem Kauf meist nicht erfragen kann. Ein weiterer Punkt sind oft die ausländischen Tastaturlayouts bei vielen auf ebay verkauften Thinkpads. Manche Händler überkleben die Tasten mit Aufklebern für das deutsche Tastenlayout, was mich persönlich nicht stört. Manch ein Programmier freut sich eventuell sogar über ein englisches Tastenlayout.

Thinkpad T41

Folgende Angaben beziehen sich auf OpenBSD 4.7 Stable.

Die Hardware meines bei ebay gekauften Thinkpads T41 zeigt folgendes dmesg.

PCMCIA wird korrekt erkannt

Die Soundkarte funktioniert und wird als auich0 erkannt.

Die Lautstärketasten oben am Thinkpad, funktionieren nachdem man das Programm tpb aus den Ports oder Packages installiert hat. Dieses Programm muß dazu mit der eigenen X11-Sitzung gestartet werden. Dazu eignet sich z. B. ein Eintrag in die ~/.xsession Datei oder wenn man KDE verwendet, eventuell ein Script in ~/.kde/Autostart. Beim drücken der Tasten erscheint ein Onscreen-Display, welches die momentane Lautstärke als Balken anzeigt. Das Onscreen-Display erscheint z. B. auch beim ein- und ausschalten der Thinklight Tastaturbeleuchtung.

Die Thinklight Tastaturbeleuchtung funktioniert.

APM funktioniert. Mit dem Befehl apm kann man sich Informationen wie den Ladezustand des Akkus ansehen. apm -S schaltet den Laptop in einen Standby Zustand, bei dem Display und Festplatte ausgeschaltet sind. zzz schaltet das Notebook in den Suspend (Tiefschlafmodus). Poweroff mit halt -p funktioniert. Auch das einstellen der Prozessortaktrate funktioniert. Der Pentium M Prozessor in diesem System bietet 6 Taktraten an: 1700, 1400, 1200, 1000, 800 und 600 MHz. Wenn man den apm-Daemon startet kann man mit dem Befehl apm -L das Notebook in den 600 MHz Modus versetzen. Mit apm -H läuft das Notebook mit 1700 MHz und mit apm -C paßt OpenBSD die Taktrate je nach Auslastung des Prozessors an (bei niedriger Auslastung läuft der Prozessor dann mit 600 MHz). Beim Zuklappen des Deckels schaltet sich das Notebook in den Suspend to Ram Modus und wacht beim aufklappen wieder problemlos auf.

Die Hardwaresensoren funktionieren und zeigen Informationen zur CPU-Temperatur, der Maus- und Tastaturaktivität, sowie ob der Deckel geschlossen oder offen ist. Außerdem gibt es auch Informationen zu den Beschleunigungssensoren der Festplatte. Diese Informationen können unter OpenBSD jedoch nicht sinnvoll eingesetzt werden. Die Informationen der Hardwaresensoren lassen sich mit sysctl hw.sensors aufrufen.

Der CD-RW Brenner funktioniert problemlos und arbeitet sowohl für CD-Rs, als auch für CD-RWs mit 8x Schreibgeschwindigkeit. Man kann zum schreiben sowohl cdio aus dem Basissystem verwenden, als auch das funktionsreichere cdrecord aus den Ports oder Packages. Das Thinkpad T41 existiert sowohl in Varianten nur mit DVD-Laufwerk, als auch mit DVD/CD-RW Kombilaufwerk.

Die Grafikkarte ist eine ATI Radeon Mobility M9 und arbeitet mit dem radeon Treiber von x.org. X funktioniert konfigurationslos. Eine xorg.conf-Datei ist nicht erforderlich. Die Umschaltung für den externen VGA-Anschluß mit der Fn-F7 Tastenkombination funktioniert problemlos unter X, so das man das Gerät z. B. auch für Präsentationen nutzen kann. Dieses T41 hat eine Displayauflösung von 1400 x 1050 bei einem 14 Zoll Display. Das T41 existiert auch in Varianten mit anderer Bildschirmauflösung.

Das Modem funktioniert nicht. Dies gilt jedoch grundsätzlich für sogenannte Winmodems unter OpenBSD.

Die Netzwerkkarte wird als em0 erkannt und ist auch PXE-Bootfähig. Die Installation kann daher auch per PXEboot erfolgen.

Die Wlan-Karte funktioniert und wird als ath0 erkannt. Möglicherweise haben jedoch nicht alle Varianten des T41 die selbe Wlankarte.

Die beiden USB-Anschlüsse sind zwar USB 2.0 Anschlüsse funktionieren bei diesen Gerät jedoch nur als USB 1.1 Anschlüsse. Dies ist offensichtlich Hardwarebedingt, da es auch andere Betriebssysteme betrifft.

Fotos Thinkpad T41

Thinkpad T41 aufgeklappt
Thinkpad T41 von der Seite Thinkpad T41 zugeklappt von hinten

Thinkpad X31

Folgende Angaben beziehen sich auf OpenBSD 4.2 stable.

Mein Thinkpad X31 Subnotebook stammt ebenfalls von ebay und zeigt folgendes dmesg.

Das Thinkpad X31 ist im Gegensatz zum T23 ein Subnotebook und daher kleiner und leichter. Das optische Laufwerk ist in eine Dockingstation ausgelagert worden. Ohne Dockingstation wiegt das X31 nur 1,6 kg. Das Notebook hat aufgrund seiner Größe nur ein 12 Zoll Display mit einer Auflösung von 1024 x 768.

Außer dem optischen Laufwerk hat die Dockingstation gegenüber dem Mobilteil noch eine serielle Schnittstelle und einen PS/2 Anschluß. Ansonsten sind die Schnittstellen an Mobilteil und Dockingstation identisch.

PCMCIA wird korrekt erkannt.

Der CF-Card Adapter wird ebenfalls erkannt, als wd1. Allerdings kann man von einer eingesteckten CF-Karte als Festplattenersatz nicht booten.

Die Soundkarte funktioniert einfach (wird als auich erkannt). Im Gegensatz zum T23 muß auch keine mixerctl.conf erstellt werden.

Die Lautstärketasten oben am Thinkpad, funktionieren nachdem man das Programm tpb aus den Ports oder Packages installiert hat. Dieses Programm muß dazu mit der eigenen X11-Sitzung gestartet werden. Dazu eignet sich z. B. ein Eintrag in die ~/.xsession Datei oder wenn man KDE verwendet, eventuell ein Script in ~/.kde/Autostart. Beim drücken der Tasten erscheint ein Onscreen-Display, welches die momentane Lautstärke als Balken anzeigt. Das Onscreen-Display erscheint z. B. auch beim ein- und ausschalten der Thinklight Tastaturbeleuchtung.

Die Thinklight Tastaturbeleuchtung funktioniert.

apm funktioniert sehr gut. halt -p funktioniert und auch das Speedstep des Prozessors läßt sich benutzen. Der verbaute Intel Pentium M Prozessor verfügt über insgesamt 5 einstellbare Taktraten: 600, 800, 1000, 1200 und 1400 MHz. Wenn man den apm-Daemon startet kann man mit dem Befehl apm -L das Notebook in den 600 MHz Modus versetzen. Mit apm -H läuft das Notebook mit 1400 MHz und mit apm -C paßt OpenBSD die Taktrate je nach Auslastung des Prozessors an (bei niedriger Auslastung läuft der Prozessor dann mit 600 MHz). Suspend to Disk habe ich nicht getestet (soll aber funktionieren).

Der serielle Anschluß an der Dockingstation funktioniert, nachdem man ihn im Bios eingeschaltet hat. Per Default ist er ausgeschaltet.

Infrarot habe ich nicht getestet.

Der Firewire-Anschluß funktioniert nicht. OpenBSD hat keine Unterstützung für Firewire-Geräte.

Die Grafikkarte ist eine ATI Radeon Mobility M6, für die ich den radeon Treiber und folgende xorg.conf benutze. Der externe Monitor-Anschluß läßt sich über die xorg.conf einschalten (leider nicht per Tastenkombination). In meiner xorg.conf findet sich, in der Subsection Device, dazu ein auskommentierter Eintrag (Option "MonitorLayout" "LVDS, TMDS").

Das Modem funktioniert, wie generell alle Winmodems unter OpenBSD, nicht.

Viele Modelle des X31 sind mit einer Wlan-Karte als Mini-PCI-Karte ausgestattet. Die in diesem Modell verbaute Aironet 350 Karte funktionierte nicht, obwohl es für diesen Kartentyp einen Treiber unter OpenBSD gibt. Eine Alternativ besorgte Intel 2200abg Mini-PCI-Karte funktioniert gut (als iwi0), benötigt jedoch zusätzliche unfreie Firmware (siehe dazu die Manpage). Bevor man eine Alternative Mini-PCI-Karte in ein Thinkpad einbaut sollte man jedoch das tpwireless Package installieren und benutzen. Das Bios der Thinkpads läßt sonst nur eine bestimmte Liste erlaubter Karten zu.

Die Netzwerkkarte wird als fxp0 erkannt und ist auch PXE-Bootfähig. Die Installation kann daher auch per PXEboot erfolgen.

Fotos Thinkpad X31

Thinkpad X31 aufgeklappt
Thinkpad X31 hinten
Thinkpad X31 und Dock

Zubehör (gilt im Prinzip für beide Notebooks)

Folgendes Zubehör habe ich mit zumindest einem dieser Notebooks getestet:

Eine Wlankarte mit Ralink Chipsatz (Conceptronic C54RC) funktioniert problemlos. Der Ralink Chipsatz ist für Wlankarten unter OpenBSD übrigens generell eine gute Wahl.

Ein Compact Flash Kartenadapter in PCMCIA Form funktioniert problemlos (wird als wd1 erkannt). Ebenso ein USB-SD/MMC Cardreader.

Generell funktionieren alle USB-Speichergeräte, wie etwa USB-Sticks, externe Festplatten oder auch Zip-Laufwerke mit USB-Anschluß.

Eee PC 701

Der Eee PC 701 ist die Urform aller Netbooks. 7 Zoll Display, 4 GB Flashspeicher, statt Festplatte, etwas unter 1 kg Gewicht und einem untertakteten Stromspar-Celeron M (die meisten Netbooks benutzen inzwischen einen Intel Atom Prozessor). Asus hat mit diesem Gerät die Klasse der Netbooks als neue Geräteklasse (kleiner als ein Subnotebook, größer als ein Handheld, preiswert) überhaupt erfunden. Die meisten Netbooks sind inzwischen Leistungsfähiger und auch etwas größer geworden und wildern durch ihren günstigen Preis bei den Anbietern von Subnotebooks herum (auch wenn die Leistung nicht an ein echtes Subnotebook heran kommt).

Dieses Gerät wird unter OpenBSD relativ gut, wenn auch leider nicht vollständig (Wlan!) unterstützt. Alle folgenden Angaben beziehen sich auf OpenBSD 4.5.

dmesg des Gerätes unter OpenBSD 4.5 stable.

Der 4 GB große Flashspeicher wird als wd0 erkannt.

Die Soundkarte wird erkannt als azalia0.

Die Grafikkarte ist eine Intel 915GM. X funktioniert auf diesem Gerät ohne weitere Konfiguration direkt. Das Display wird mit der korrekten Auflösung von 800 x 480 angesprochen. Mit Hilfe von xrandr (aus dem Basisssystem) kann auch der VGA-Monitorausgang z. B. für Präsentationen am Beamer genutzt werden.

ACPI funktioniert um z. B. die Taktrate des Prozessors zu verstellen. Man kann den apmd Dienst laufen lassen um dann mit apm -C den Prozessor des Eee PC in einem Stromsparmodus zu schalten. Allerdings sollte man dabei bedenken das der ohnehin relativ langsame Prozessor des Eee PC dadurch noch langsamer wird. Die normale (maximale) Taktrate des Prozessors beträgt 633 MHz. Durch das apm Kommando läßt sich der Prozessor bis 75 MHz herunter takten.

Die Hardware Sensoren können mit sysctl hw.sensors ausgelesen werden und liefern Informationen zur Batterie und einen Temperaturwert. Die Ausgabe sieht bei meinem Gerät so aus: hw.sensors.acpitz0.temp0=46.05 degC (zone temperature)
hw.sensors.acpibat0.volt0=8.40 VDC (voltage)
hw.sensors.acpibat0.volt1=8.02 VDC (current voltage)
hw.sensors.acpibat0.amphour0=0.10 Ah (last full capacity)
hw.sensors.acpibat0.amphour1=0.01 Ah (warning capacity)
hw.sensors.acpibat0.amphour2=0.01 Ah (low capacity)
hw.sensors.acpibat0.amphour3=0.10 Ah (remaining capacity), OK
hw.sensors.acpibat0.raw0=0 (battery full), OK
hw.sensors.acpibat0.raw1=unknown (rate), UNKNOWN
hw.sensors.acpiac0.indicator0=On (power supply)

Der Eee PC bietet 3 USB 2.0 Anschlüsse, die über den uhci und den ehci Treiber problemlos funktionieren.

Die Netzwerkkarte wird als lii0 erkannt und ist auch PXE Bootfähig.

Die Wlankarte wird leider nicht erkannt. Der verwendete Wlanchipsatz ist ein Atheros Chipsatz. Zwar werden einige ältere Atheros Wlankarten von OpenBSD unterstützt, jedoch gehört der in dem Eee PC verbaute Chipsatz nicht dazu. Ich habe die Wlankarte im Bios ausgeschaltet, so das sie in dem auf dieser Seite veröffentlichten dmesg gar nicht erst auftaucht. Als Ersatz verwende ich einen per USB angeschlossenen Wlan Stick mit Ralink Chipsatz von Conceptronics.

Der SD-Card Reader wird als USB Mass-Storage Gerät erkannt, so das eingesteckte SD-Karten genauso wie USB-Sticks funktionieren. Da das Gerät selber nur über 4 GB Speicher verfügt, habe ich eine SD-Karte permanent im Gerät eingesteckt, als Festplattenerweiterung (wodurch ich für das Gerät 2 x 4 GB zur Verfügung habe).

Die Webcam wird seit 4.5 als uvideo0 unterstützt (sie war unter 4.4 noch nicht unterstützt). Ich kann Einzelaufnahmen mit dem Programm fswebcam (als Port oder Package zu installieren) und Videos mit MPlayer (ebenfalls aus den Ports oder Packages) aufnehmen. Mit fswebcam geht das z. B. mit: fswebcam -S 5 -F 10 dateiname oder Videos mit MPlayer über: mplayer tv://v4l2 -vo mpegpes. Das Video wird dann als grab.mpg gespeichert. Die Auflösung der Webcam beträgt 352 x 288 (0,3 MP).

Durch die Größe und die schwache CPU ist der Eee PC natürlich kein Allround Rechner, aber als "Überall Dabei" Rechner um mal mit Firefox etwas im Web nachzusehen oder wenn man SSH auf den heimischen Rechner oder seinen Server nutzen möchte, sowie, sofern man sich an die kleinere Tastatur gewöhnt hat, auch mal um einen Text z. B. mit Abiword zu tippen ist der Eee PC gut geeignet. Für z. B. Bildbearbeitung ist er aber natürlich völlig unbrauchbar. Für eine Jackentasche ist er noch etwas zu groß.

Fotos Eee PC 701

Eee PC 701 von Vorne
Eee PC 701 von der Seite

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Copyright (c) René Maroufi, 2007